Spaß an Kommunikation
- von Anfang an -
Kommunikation ist für Babys und Kleinkinder weit mehr als ein Austausch von Informationen. Sie ist der Motor ihrer sprachlichen, sozialen und emotionalen Entwicklung. Kinder, die von Anfang an erleben, dass Kommunikation Freude macht, dass ihre Signale beantwortet werden und dass sie etwas bewirken können, entwickeln eine starke innere Motivation, sich mitzuteilen.
Und genau diese Freude – dieses spielerische „Ich sag Dir etwas, und Du hörst mir zu“ – ist einer der wichtigsten Faktoren im Spracherwerb: Sie sorgt dafür, dass Kinder öfter kommunizieren, länger im Dialog bleiben, neue Wörter mit Neugier aufnehmen und mit Begeisterung erste Laute, Gesten oder Zeichen ausprobieren.
Doch wie entsteht dieser Spaß an der Kommunikation?
Und wie können wir als Eltern diese Freude stärken, ohne Druck oder Erwartungen zu erzeugen?
Die Antwort liegt in den grundlegenden Bausteinen früher Verständigung – Sprechen auf Augenhöhe mit Blickkontakt, melodischer Sprache, liebevoller Wiederholung, hilfreichem corrective Feedback– und in unserer Rolle als verlässliche sprachliche Vorbilder. Zusammengenommen schaffen sie eine sichere, motivierende Umgebung, in der Babys spielerisch in die Sprache hineinwachsen.
Blickkontakt und Augenhöhe – der erste Schritt in den Dialog
Für Babys und Kinder ist es entscheidend, dass Sprache nicht „von oben herab“ stattfindet, sondern auf Augenhöhe und mit echtem Blickkontakt. Wenn wir uns zu ihnen hinunterbeugen, uns frontal zuwenden und ihnen in die Augen schauen, entsteht eine Atmosphäre, in der Kommunikation sicher, warm und wertschätzend wirkt.
Blickkontakt signalisiert:
„Ich bin bei dir. Ich höre dir zu.“
Kinder können dann unsere Mimik, Mundbewegungen und Emotionen deutlich besser wahrnehmen – wichtige Bausteine, um Sprache verstehen und später selbst produzieren zu können.
Ebenso bedeutend ist das aktive Zuhören:
Wir lassen Pausen, schenken dem Kind unsere volle Aufmerksamkeit und reagieren sensibel auf seine Worte, Laute oder Gesten. Kinder spüren dabei, dass wir wirklich verstehen wollen, was sie mitteilen. Diese Form des Zuhörens gibt ihnen Sicherheit und Mut, sich selbst mitzuteilen.
Wenn wir also:
uns hinunterbeugen oder neben das Kind setzen,
Blickkontakt aufnehmen, ohne zu drängen,
aufmerksam zuhören und empathisch reagieren,
dann entsteht eine Kommunikation, die sich für Kinder respektvoll, freudig und bedeutsam anfühlt. Genau das ist der Boden, auf dem Sprache am besten wächst.
Motherese – die Melodie, die Sprache leicht macht
Die typische Sprechweise, die Erwachsene intuitiv mit Babys verwenden – höher, weicher, melodischer, mit klaren Betonungen – nennt sich „motherese“.
Warum sie so wirkungsvoll ist:
Babys hören länger zu
Sie erkennen Wörter besser
Sie spüren emotionale Wärme
Sie können Pausen und Betonungen leichter verarbeiten
Sie versuchen früher, Laute nachzuahmen
Motherese ist kein „Betüdeln“, sondern eine intuitive Anpassung an das kindliche Hör- und Lernvermögen.
Sie macht Sprache spielerisch, leicht verständlich und emotional positiv – genau das, was Spaß an Kommunikation fördert.
Corrective Feedback – liebevolle Orientierung statt Korrigieren
Corrective Feedback ist eine liebevolle und äußerst effektive Methode, mit der Erwachsene die sprachliche Entwicklung begleiten. Es bedeutet nicht, Fehler zu „verbessern“, sondern einem Kind ein korrektes sprachliches Modell vorzuleben, während wir gleichzeitig seine Kommunikationsabsicht bestätigen.
Kinder lernen Sprache vor allem über Muster. Sie vergleichen unbewusst, was sie gesagt haben, mit dem, was wir antworten. Corrective Feedback nutzt genau diesen Mechanismus – ohne Druck, ohne Erwartung, ohne Unterbrechung.
Das Prinzip ist einfach:
Du gehst auf das Gesagte ein, verstehst und wertschätzt die kindliche Äußerung.
Du antwortest mit einer etwas vollständiger formulierten, korrekten Version.
Ohne zu verbessern, ohne nachsprechen zu lassen, ohne Erwartung.
Wie funktioniert das im Alltag?
Wenn ein Kind etwas äußert – sei es ein erstes Wort, ein Zweiwortsatz oder ein Babyzeichen –, greifst du die Botschaft auf und formst sie ein Stückchen weiter. Du bestätigst, was das Kind mitteilen wollte, und bietest gleichzeitig eine leicht erweiterte oder korrekt formulierte Version an.
Beispiele:
Kind: „Da Ball!“
Du: „Ja, genau. Der Ball liegt im Korb! Möchtest du damit spielen?“Kind: “Da Ziege!”
Du: “Ah, genau. Da ist ja das Schaf! Das hat ja ganz flauschiges Fell.”
Baby zeigt ein abgewandeltes Zeichen für essen.
Du: „Du möchtest essen? Okay, wir essen jetzt einen Snack.“
(mit dem korrektem Zeichen)
Was ist hier passiert?
Du bestätigst die Bedeutung: Das Kind fühlt sich verstanden.
Du modellierst die korrekte Form: „Der Ball liegt im Korb“.
Du erweiterst die Äußerung leicht: ohne Druck, ohne Erwartung.
Du bleibst im Dialog: Deine Antwort lädt zu weiterem Austausch ein.
Corrective Feedback vermittelt:
„Du darfst dich mitteilen und ausprobieren, auch wenn du noch nicht perfekt sprichst. Ich verstehe Dich.”
Und genau diese Mischung aus Verstehen, Vorleben und Freiheit macht die Methode so wirksam – und so motivierend.
Das Entscheidende dabei:
Das Kind wird nicht verbessert (also vermeide “Nein, das ist keine Ziege, das ist ein Schaf” oder “Nein, so geht das Zeichen nicht, guck mal so, mach mir mal nach.”), sondern unterstützt, sich Sprache Schritt für Schritt anzueignen.
Also vermeide: “Nein, das ist keine Ziege, das ist ein Schaf” oder “Nein, so geht das Zeichen nicht. Guck mal so geht das. Mach mir mal nach.”
Wiederholung – Sicherheit schafft Begeisterung
Kinder lieben Wiederholung, weil sie Sicherheit gibt.
Und Sicherheit ist die Basis dafür, Neues auszuprobieren.
Wenn Wörter, Zeichen oder kleine Gesprächssituationen häufiger wiederholt werden:
kann Dein Kind Muster leichter erkennen
werden Bedeutungen stabil abgespeichert
zeigt Dein Baby früher eigene Laute und Gesten
entsteht Neugier „mitzumachen“
Wiederholung ist kein Training, sondern der natürliche Rhythmus, in dem Sprache wächst. Je vertrauter ein Wort oder Zeichen wird, desto mutiger wird das Kind, selbst damit zu kommunizieren.
Eltern und Betreuer*innen als sprachliche Vorbilder
Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor im Spracherwerb ist das sprachliche Vorbild, das Erwachsene täglich bieten.
Kinder lernen Sprache nicht über Erklärungen, sondern über Beobachtung und Nachahmung.
Spiegelneuronen, also Nervenzellen, die bei Beobachtung aktiv werden, helfen ihnen dabei, Sprechmelodie, Gestik, Wortschatz und Grammatik aufzunehmen – lange bevor sie all das selbst produzieren können.
Ein gutes sprachliches Vorbild bedeutet:
deutlich, aber nicht übertrieben zu sprechen
dem Kind zugewandt, dass es das Mundbild sehen kann
kurze, klare Sätze zu verwenden
passende Gestik, Mimik und Babyzeichen einzusetzen
Emotionen mit Sprache zu verbinden
langsam genug zu sprechen, damit das Kind folgen kann
Worte immer wieder in typischen Alltagssituationen zu wiederholen
Wenn Erwachsene mit Freude und Offenheit kommunizieren, färbt das auf Kinder ab.
Ein Kind, das sieht, wie begeistert wir erzählen, lachen, beschreiben, nachfragen und Zeichen einsetzen, entwickelt selbst Lust auf Sprache.
Wir sind das Modell, an dem sich das Gehirn orientiert.
Warum Babyzeichen den Spaß an Kommunikation verstärken
Babyzeichen ergänzen all diese Bausteine perfekt.
Sie ermöglichen Babys, lange vor den ersten Worten etwas mitzuteilen – und verstanden zu werden.
Das führt zu:
weniger Frust
mehr Selbstbewusstsein
größerer Motivation
früheren, häufigeren Dialogen
tiefer Bindung
Ein Baby, das mit einer Geste zeigt, dass es „mehr“ möchte – und sofort verstanden wird – erlebt Kommunikation als etwas Großartiges.
Diese positive Erfahrung trägt wesentlich dazu bei, dass Kinder später auch beim Sprechen Freude und Mut entwickeln.
Fazit: Kommunikation wird zum Vergnügen, wenn wir sie gemeinsam genießen
Sprachentwicklung ist kein Wettbewerb, kein Training, kein „Programm“. Sie ist ein Beziehungsprozess. Spaß an der Kommunikation ist kein kleines Extra, sondern einer der zentralen Motoren des Spracherwerbs.
Wenn Babys erleben, dass Verständigung:
liebevoll
zugewandt und auf Augenhöhe
spielerisch
wertschätzend
ist, entsteht eine starke, innere Motivation, sich mitzuteilen.
Mit Blickkontakt, Augenhöhe, Motherese, Wiederholungen, corrective Feedback und Babyzeichen schaffen wir eine Umgebung, in der Sprache nicht gelernt, sondern erlebt wird – mit Freude, Humor, Neugier und echtem Austausch.
Möchtest Du erfahren, wie Du Deinem Baby von Anfang an Freude an Kommunikation und Sprache schenken kannst?
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FAQ
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Weil Kinder am besten lernen, wenn sie Freude haben. Wenn Kommunikation positive Gefühle auslöst – gesehen werden, verstanden werden, Wirkung haben – entwickelt das Kind eine natürliche Motivation, sich mitzuteilen. Diese Motivation ist einer der stärksten Treiber für eine gesunde Sprachentwicklung.
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Babyzeichen ermöglichen Babys, sich lange vor dem Sprechen mitzuteilen – und verstanden zu werden. Das führt zu weniger Frust, mehr Erfolgserlebnissen und viel Freude an Kommunikation. Babyzeichen sind eine Brücke zwischen den ersten Bedürfnissen und den späteren Wörtern.
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Durch Blickkontakt, gemeinsames Anschauen, Nachahmen, eine warme Sprachmelodie, Wiederholungen, Babyzeichen und echte Aufmerksamkeit. Babys kommunizieren lange vor ihren ersten Worten – und wir können ihre frühen Signale liebevoll begleiten.
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Nein, solange du liebevoll, zugewandt und ohne Druck kommunizierst. Es geht nicht um Perfektion, sondern um Verbindung. Babys brauchen echte Interaktion – keine Programme. Alles, was ihr miteinander erlebt, stärkt eure Kommunikation.
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Kinder lernen Sprache durch Beobachten. Sie übernehmen Wortschatz, Satzbau, Sprechtempo und Sprachmelodie von den Menschen, die sie täglich hören. Wenn wir selbst gern erzählen, beschreiben, benennen, lachen und Babyzeichen einsetzen, spiegeln Kinder diese Freude – und entwickeln selbst Lust auf Sprache.
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Corrective Feedback bedeutet, dass du die Äußerung deines Kindes wertschätzend aufgreifst und in einer leicht korrigierten oder vollständigeren Form zurückgibst – ohne das Kind zu verbessern oder zum Nachsprechen aufzufordern. Es ist eine sanfte, natürliche Art, ein sprachliches Vorbild zu sein.
Ein neues Beispiel aus dem Alltag:
Dein Kind zeigt auf den Hund und sagt:
„Da bellt!“Du antwortest:
„Ja, der Hund bellt. Hörst du, wie laut der Hund bellt?“Was passiert dabei?
Du bestätigst die kindliche Botschaft („Ja, der Hund bellt.“)
Du ergänzt sie freundlich („bellt laut“)
Du modellierst die korrekte Satzstruktur
Du zeigst Interesse und gehst auf das Erleben des Kindes ein
Das Kind fühlt sich verstanden – und bekommt gleichzeitig ein sprachliches Vorbild, dem es später folgen kann. Corrective Feedback ist damit eine Einladung zum Lernen, nicht eine Korrektur.
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Weil Wiederholungen Sicherheit geben und dem Gehirn helfen, Sprache abzuspeichern. Durch Wiederholung können Kinder Wörter, Zeichen und Situationen leichter wiedererkennen – und trauen sich eher, selbst mitzuteilen.