Wie Kinder Sprache lernen
Und wie Babyzeichen dabei unterstützen können
Die sprachliche Entwicklung eines Kindes beginnt nicht erst mit den ersten Worten – sie startet schon im Mutterleib und vor allem ab Geburt. Schritt für Schritt bildet das Gehirn neue Verbindungen, koordiniert Wahrnehmung, Bewegung und soziale Interaktion – und all das legt den Grundstein dafür, dass irgendwann grammatisch korrekte Sätze entstehen.
In diesem Beitrag erfährst du:
Welche Entwicklungsschritte Babys und Kleinkinder beim Spracherwerb durchlaufen
Welche kognitiven Fähigkeiten dafür notwendig sind
Wie Babyzeichen (Zwergensprache) in jeder Phase unterstützen können
Warum Babyzeichen auch bei Kleinkindern hilfreich bleiben
Geburt – 3 Monate:
Kommunikation beginnt im Körper
Sprachliche Entwicklung
Neugeborene kommunizieren zunächst über:
Schreien oder Lautieren/Gurren
Mimik (lächeln)
Körperbewegungen (strampeln und zappeln)
Blickkontakt
Sie erkennen die Stimme der Bezugsperson, reagieren auf Intonation und nehmen Sprache als Melodie wahr (Prosodie).
Kognitive Entwicklung
In dieser Zeit entwickeln Babys:
grundlegende soziale Aufmerksamkeit
die Fähigkeit, Muster zu erkennen (z. B. Tonhöhen)
Vertrauen – die Basis jeder Kommunikation
Wie Babyzeichen hier helfen
Auch wenn Babys Zeichen noch nicht zeigen können, profitieren sie von:
Gesten als visuelle Begleiter: Babys lieben Bewegungen – sie erleichtern das Verständnis.
Ritualen und Wiederholungen: Erste Zeichen wie Milch, wickeln oder schlafen geben Struktur.
Babyzeichen schaffen schon jetzt eine Atmosphäre von achtsamer Kommunikation.
4 – 6 Monate:
Präverbale Fähigkeiten entstehen
Sprachliche Entwicklung
Babys beginnen zu brabbeln: ba-ba, da-da, ma-ma
sie fangen an laut zu lachen
sie imitieren Sprachrhythmus und Tonfall
sie reagieren auf ihren Namen
sie verstehen erste Wörter und Routinen
Kognitive Entwicklung
Entwicklung des Arbeitsgedächtnisses
Bessere Aufmerksamkeitssteuerung
Entstehung der ersten Symbolverständnisse (ein Laut hat Bedeutung)
Wie Babyzeichen helfen
Jetzt ist der optimale Zeitpunkt, um Zeichen vorzuleben.
Warum?
Babys beobachten Hände mit hoher Aufmerksamkeit
visuelle Reize bleiben länger im Gedächtnis
sie verknüpfen Zeichen + Wort + Situation
sie unterstützen frühe Kategorienbildung (z. B. Essen, Trinken, Tiere)
Dies legt die Basis für spätere Kommunikation – lange bevor das Kind selbst Zeichen zeigt.
6 – 9 Monate:
Geteilte Aufmerksamkeit & Triangulärer Blickkontakt
Dies ist einer der wichtigsten Meilensteine des Spracherwerbs.
Sprachliche Entwicklung
Babys beginnen, bewusst zu kommunizieren
Sie nutzen erste Zeigegesten oder geben Dinge, um etwas mitzuteilen
Sie verstehen viele Wörter des Alltags
Kognitive Entwicklung
Hier entsteht der berühmte Trianguläre Blickkontakt:
Das Kind schaut:
den Gegenstand an
die Bezugsperson an
wieder den Gegenstand
→ Ein „Kommunikationsdreieck“.
→ Grundlage für Wortlernen, späteres Erzählen und grammatikalische Entwicklung.
Babyzeichen als perfekte Unterstützung
Babyzeichen verstärken genau diesen Entwicklungsschritt:
Sie machen Sprache sichtbar
Sie lenken den Blick des Kindes zu Gesicht, Hand und Objekt
Zeichen helfen beim Abspeichern von Bedeutung
→ Die doppelte Kodierung (visuell + auditiv) erleichtert das Wortlernen enorm.
Viele Babys zeigen in diesem Zeitraum auch die ersten eigenen Zeichen – meist rund um Essen, Routinen oder Tiere.
9 – 15 Monate:
Die ersten Wörter & intentionaler Spracherwerb
Sprachliche Meilensteine
erste Wörter („Teddy“, „Ball“)
das Baby versteht rund 50 Wörter
zeigt Gesten bewusst: Winken, Klatschen, Zeigen
beginnt Bedeutungen zu kombinieren
Kognitive Fähigkeiten
Entstehung mentaler Repräsentationen (das Kind kann sich Dinge vorstellen, die nicht da sind)
Objektpermanenz
Symbolisches Denken
Wie Babyzeichen helfen
Zeichen ermöglichen es dem Kind, Dinge zu benennen, die nicht sichtbar sind
Sie reduzieren Frust (weniger Weinen, weniger Wutanfälle)
Sie stärken die Selbstwirksamkeit
Sie ermöglichen echte „Gespräche“ schon lange vor komplexer Sprache
Eltern berichten oft:
„Mein Kind erzählt mir plötzlich, woran es denkt – nicht nur, was es sieht.“
Kinder beginnen jetzt auch damit, Zwei-Zeichen-Kombinationen zu bilden (z. B. „nochmal Ball“, „Mama/Papa weg“).
Das ist der Vorläufer grammatischer Strukturen.
15 – 24 Monate:
Wortschatzexplosion & erste Zweiwortsätze
Sprachliche Meilensteine
Viele Kinder sprechen nun 50–200 Wörter
Beginn der Wortschatzexplosion
Erste grammatische Regeln werden erkannt
Kombinierte Äußerungen wie „Mama/Papa kommt“, „mehr essen“
Kognitive Entwicklung
Kategorienbildung (Apfel, Banane → Obst → essen)
zunehmende Verarbeitungsgeschwindigkeit
Verstehen von Ursache und Wirkung
Mehr Gedächtniskapazität
Babyzeichen als Brücke zum Sprechen
Babyzeichen werden jetzt oft ersetzt – aber das Zeichen kann die Sprachentwicklung beschleunigen:
visuelle Unterstützung erleichtert das Wortfinden
das Kind traut sich sprachlich mehr, weil es sich verstanden fühlt
Zeichen regt das Grammatikverständnis an (weil Kinder frühe Kombinationen üben)
Gerade in dieser Phase entstehen viele „Mini-Dialoge“, die ohne Zeichen nicht möglich wären.
2 – 3 Jahre:
Grammatik wird komplexer
Sprachliche Entwicklung
Kinder nutzen nun Präpositionen („auf“, „in“)
einfache Vergangenheitsformen
Fragen („Was ist das?“)
Pronomen („ich“, „du“)
Sätze mit 3–6 Wörtern
Kognitive Entwicklung
Theory of Mind (das Kind versteht, dass andere andere Gedanken haben)
Planung und Perspektivwechsel
Narratives Denken beginnt (kleine Geschichten erzählen)
Babyzeichen bei älteren Kleinkindern
Viele Eltern sind überrascht:
Zeichen bleiben relevant – besonders emotional.
Warum?
In Wut- oder Stresssituationen kann das Kind oft nicht sprechen
Handzeichen sind leichter abrufbar
Sie helfen beim Benennen von Gefühlen
Sie unterstützen Selbstregulation
Auch Geschwister profitieren:
Sie können früh mit dem Baby kommunizieren
Das stärkt Bindung und Rollenbewusstsein
Fazit
Von Geburt bis zum Sprechen passiert unglaublich viel im kleinen Kindergehirn – und Babyzeichen begleiten all diese Schritte sanft und spielerisch.
Sie:
ermöglichen Teilhabe und Autonomie
machen den Alltag entspannter
reduzieren Frust
stärken Bindung
geben Klarheit
unterstützen Sprache und Kognition
Mit Babyzeichen schenkst Du Deinem Kind nicht nur ein Kommunikationswerkzeug – sondern auch das Gefühl:
„Ich werde gesehen und verstanden.“
Möchtest Du Babyzeichen Schritt für Schritt lernen und Dein Kind auf seinem sprachlichen Weg liebevoll begleiten? Dann komm in meinen Zwergensprache Kurs!
Hier zeige ich Dir spielerisch alle Grundlagen, einfache Zeichen für den Alltag und viele praktische Tipps.
Melde Dich jetzt an und starte entspannt in die verbindende Kommunikation mit Deinem Baby.
FAQ
-
Blickkontakt – besonders der sogenannte trianguläre Blickkontakt – zeigt, dass ein Kind gemeinsam mit einer Bezugsperson seine Aufmerksamkeit auf ein Objekt oder Ereignis richtet. Diese geteilte Aufmerksamkeit ist einer der stärksten Motoren für erfolgreiches Wortlernen.
Babyzeichen fördern genau diesen MechanismusBabyzeichen:
erhöhen die Dauer geteilter Aufmerksamkeit
erleichtern die Zuordnung von Laut → Bedeutung
schaffen durch Bewegung ein für Babys gut wahrnehmbares Lernsignal
-
Gesten sind ein natürlicher Teil der menschlichen Kommunikation. Sie erleichtern das Verstehen, weil sie Sprache sichtbar machen. Kinder nutzen natürlicherweise Gesten und Zeigen, bevor sie sprechen.
-
Babyzeichen unterstützen die Sprachentwicklung. Sie erleichtern das Verstehen, fördern frühe Kommunikation und können den Übergang zur gesprochenen Sprache sogar beschleunigen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sie das Sprechen hinauszögern.
-
Viele! Unter anderem:
Arbeitsgedächtnis
Mustererkennung
Objektpermanenz
symbolisches Denken
soziale Wahrnehmung
Perspektivübernahme (Theory of Mind)
All diese Fähigkeiten entwickeln sich parallel und unterstützen sich gegenseitig.
-
Ja – Spracherwerb verläuft sehr individuell. Unterschiede im Tempo sind normal und hängen von vielen Faktoren ab, z. B. Temperament, Interesse, motorische Entwicklung, Sprachumgebung und Interaktionshäufigkeit.