Spracherwerb bei Mehrsprachigkeit

Warum Babyzeichen multilinguale Kinder wunderbar unterstützen können

Mehrsprachig aufzuwachsen ist ein Geschenk – und zwar eines, das ein Kind am besten in der frühen Kindheit bekommt. Doch viele Eltern fragen sich:
Wie verläuft der Spracherwerb eigentlich bei mehrsprachigen Babys und Kleinkindern? Und können Babyzeichen diesen Weg erleichtern?

In diesem Beitrag möchte ich dir zeigen, welche Entwicklungsschritte dein Kind auf dem Weg zur Sprache durchläuft, welche Besonderheiten bei Mehrsprachigkeit auftreten – und wie Babyzeichen diese Entwicklung unterstützen können.

Von Geburt an:
Die Grundlage für Sprache entsteht

Hören, Wahrnehmen, Bindung – die ersten Bausteine

Bereits in den ersten Lebenswochen erkennt dein Baby die Melodie der Sprachen, die es im Bauch gehört hat. Mehrsprachige Kinder unterscheiden die Sprachen ihrer Bezugspersonen sogar besonders fein – sie reagieren auf unterschiedliche Rhythmen, Sprachmelodien und Prosodie.

Kognitive Entwicklung in diesem Stadium:

  • Unterscheiden von Sprachmelodien

  • Sensibilität für soziale Signale (Mimik, Stimme, Rhythmus)

  • Aufbau sicherer Bindung → Basis für Lernbereitschaft

Wie Babyzeichen hier unterstützen können

Obwohl Babys noch keine Zeichen nachahmen, profitieren sie bereits ab den ersten Wochen davon, dass du visuelle Reize und rhythmische Bewegungen mit Sprache kombinierst:

  • Babyzeichen erhöhen die Aufmerksamkeit auf Sprache

  • Sie erleichtern es, Wörter zu segmentieren und zu merken

  • Sie unterstützen gemeinsame Aufmerksamkeit, einen der wichtigsten Prädiktoren für spätere Sprachkompetenz

Schon jetzt „lernen“ mehrsprachige Babys also, dass Kommunikation multimodal ist:
Stimme + Gesicht + Hände.

Ab ca. 4–6 Monaten:
Erste kommunikative Absichten

Brabbeln und Imitieren

Babys beginnen zu brabbeln, nachzuahmen und zeigen erste kommunikative Absichten.

Mehrsprachige Babys brabbeln in allen Sprachen, denen sie ausgesetzt sind – das ist völlig normal und kein Zeichen von Überforderung.

Kognitive Entwicklung:

  • Entwicklung der Handmotorik

  • Wiedererkennen häufiger Wörter

  • Beginn intentionaler Kommunikation

  • Aufbau des Symbolverständnisses (Dinge haben Namen!)

Wie Babyzeichen jetzt unterstützen

Hier beginnt der ideale Zeitpunkt, Babyzeichen einzuführen.

Warum?
Weil die Handmotorik bereits gut entwickelt ist, aber die Mundmotorik noch nicht.

Babyzeichen helfen mehrsprachigen Babys in dieser Phase:

  • Begriffe klar zu unterscheiden
    Besonders wenn zwei Sprachen unterschiedliche Wörter nutzen (z. B. „dog“ vs. „Hund“), bietet das gleiche Zeichen eine stabile Verbindung zum Konzept → weniger kognitive Belastung.

  • Frustration zu verhindern
    Viele mehrsprachige Kinder verstehen mehr, als sie ausdrücken können – Babyzeichen ermöglichen ihnen, Wünsche ohne Missverständnisse mitzuteilen.

  • Wortschatz in beiden Sprachen zu vernetzen
    Ein Zeichen wird zum gemeinsamen Anker, der in jeder Sprache gleich bleibt.

Typische Zeichen, die Eltern jetzt einführen:
Milch • essen • mehr/noch mal • fertig • nach Hause

Ab ca. 8–12 Monaten:
Geteilte Aufmerksamkeit & Triangulärer Blickkontakt

Dies ist ein entscheidender Meilenstein – besonders bei Mehrsprachigkeit.

Triangulärer Blickkontakt

Das Kind schaut:

  1. den Gegenstand an,

  2. dich an,

  3. wieder den Gegenstand.

Dieses „Kommunikationsdreieck“ ist der Schlüssel für den Wortschatzaufbau.
Bei mehrsprachigen Kindern hilft es, eindeutige Bedeutungszuordnungen herzustellen.

Babyzeichen als Turbo für diesen Meilenstein

Babyzeichen verstärken diesen Moment, weil du beim Benennen des Objekts:

das Objekt zeigst,
die Gebärde machst,
das Wort sprichst.

Das Gehirn bekommt also drei voneinander unabhängige Reize, die alle auf dieselbe Bedeutung verweisen.

Studien legen nahe:
Kinder mit Zeichen verstehen Wörter oft früher, sprechen häufig früher und können meist auch früher Sätze bilden.

Für mehrsprachige Kinder bedeutet das:

  • Leichteres Verknüpfen von Konzepten in allen Sprachen

  • Mehr Klarheit in Situationen, in denen die gesprochene Sprache wechselt

  • Weniger „Sprachmischung“, weil das Konzept stabil bleibt

Ab 12–18 Monaten:
Erste Wörter in beiden
(oder mehreren) Sprachen

Sprachwissenschaftler nennen das die Phase des „Ein-Wort-Satzes“.

Mehrsprachige Kinder...

  • sagen oft in jeder Sprache etwas später ihre ersten Wörter (völlig normal)

  • verstehen aber deutlich mehr als sie sagen

  • verteilen ihren Wortschatz auf mehrere Sprachen

Das bedeutet:
Einsprachiges Kind: 30 Wörter
Mehrsprachiges Kind: 15 Wörter Deutsch + 15 Wörter Spanisch → 30 Wörter gesamt

Wie Babyzeichen hier helfen

Babyzeichen ermöglichen dem Kind, weiterhin differenziert zu kommunizieren, auch wenn es verbal erst wenige Wörter sagen kann.

  • Sie erleichtern Übergänge, weil das Kind weiterhin Zugriff auf alle Konzepte hat – egal in welcher Sprache das Wort gerade fehlt.

  • Sie reduzieren Frust (besonders bei Kindern, die viel verstehen, aber wenig sprechen).

  • Sie beschleunigen das Verbalisieren, weil Gestik die Sprachverarbeitung stimuliert.

Viele mehrsprachige Kinder ersetzen Babyzeichen früh durch Wörter – oft sogar früher als gleichaltrige einsprachige Kinder.

Ab ca. 18–30 Monaten:
Wortschatzexplosion & erste Grammatik

Jetzt beginnt die Zeit der Wortschatzsprünge.

Mehrsprachige Kinder zeigen hier typische Besonderheiten:

  • Sie „mischen“ Sprachen (Code-Mixing), was kein Problem, sondern ein Zeichen von sprachlicher Flexibilität ist.

  • Sie sprechen in einer Sprache mal mehr, mal weniger, je nach Input.

  • Sie brauchen mehr Wiederholungen (Input-Dosis zählt!).

Babyzeichen als Begleiter in dieser Phase

Babyzeichen:

  • helfen bei Grammatik (z. B. „mehr essen“, „Mama/Papa arbeiten“)

  • unterstützen das Erzählen, weil Kinder zunehmend Zeichen kombinieren

  • ermöglichen Kindern, auch nicht sichtbare Dinge zu verbalisieren

Sie unterstützen außerdem die Emotionsregulation:

  • Bei Wutanfällen sind Zeichen wie „mehr“, „fertig“, „helfen“, „warten“ Gold wert.

  • Kinder können Bedürfnisse ausdrücken, bevor sprachliche Strukturen dafür reichen.

Ab ca. 2,5–4 Jahren:
Grammatik, längere Sätze & narrative Fähigkeiten

Jetzt erreichen Kinder ein sprachliches Niveau, mit dem sie richtige Gespräche führen.
Mehrsprachige Kinder können in einer Sprache weiter sein als in der anderen – das ist normal.

Babyzeichen werden in diesem Alter weniger genutzt, bleiben aber oft für:

  • Emotionen

  • Geschwisterkommunikation

  • Situationen hoher Erregung (Wut, Müdigkeit)

  • Kita-Alltag

Eltern berichten oft, dass Geschwister durch Babyzeichen viel früher miteinander kommunizieren.

Warum Babyzeichen für mehrsprachige Familien besonders wertvoll sind

  1. Ein Zeichen – mehrere Wörter
    → Konzepte werden sprachübergreifend gefestigt.

  2. Geringerer Frust
    → Besonders wichtig, wenn in einer Sprache Wörter fehlen.

  3. Mehr Klarheit bei wechselnden Bezugspersonen
    → Jede Sprache hat eigene Wörter, aber das Zeichen bleibt konstant.

  4. Schnelleres Begreifen abstrakter Begriffe
    → Mehrsprachige Kinder jonglieren früh mit unterschiedlichen Lautsystemen und Strukturen – Babyzeichen schaffen Ordnung im Kopf.

  5. Stärken die Beziehung
    → Gerade in Familien mit mehreren Sprachen hilft visuelle Kommunikation, immer verstanden zu werden.

Fazit

Mehrsprachigkeit ist ein natürlicher, erfolgreicher Weg der Sprachentwicklung – solange Kinder genügend sprachlichen Input und ein feinfühliges Umfeld haben.
Babyzeichen sind dabei ein wunderbares Werkzeug:

  • sie entlasten

  • sie verbinden

  • sie erklären

  • sie stützen beide (oder alle) Sprachen

  • und sie schaffen schon früh echte Kommunikation

Kinder, die mit Babyzeichen aufwachsen, erleben, dass ihre Gedanken, Wünsche und Gefühle von Anfang an zählen. Und genau das ist die beste Grundlage für jede sprachliche Entwicklung – egal in wie vielen Sprachen.

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FAQ

  • Nein. Mehrsprachigkeit führt nicht zu Sprachverzögerungen. Mehrsprachige Kinder verteilen ihren Wortschatz auf mehrere Sprachen, wirken dadurch manchmal „langsamer“, haben aber insgesamt genauso viele Wörter wie einsprachige Kinder.

  • Ja. Babyzeichen basieren auf Bedeutungen, nicht auf Wörtern.
    Sie funktionieren deshalb unabhängig davon, welche Sprache Du sprichst.

  • Unbedingt! Das ist sogar besonders hilfreich.
    Die gesprochene Sprache darf wechseln – das Zeichen bleibt konstant und gibt Stabilität.

  • Nein. Das Mischen von Sprachen ist völlig normal und sogar ein Zeichen sprachlicher Kompetenz.
    Babyzeichen können helfen, Bedeutungen klarer zu strukturieren.